selber machen!

6-8-18

Sie haben den Strom nicht abgestellt, weil ich mich zu einem Telefonat durchgerungen habe. Noch zwei Wochen mit Elektrizität, cool. Musik hören, kalte Getränke, heißer Kaffee, Vergnügungen.
 Der Aldibiokaffee, den keiner will und den sie jetzt verramschen, weil ein durchgeknallter Millenialdesigner gedacht hat, es sei eine gute Idee, Kaffee in schwarze Plastikwürfel zu verpacken, die aussehen, als würden sie, hmm, exotische Badesalze oder ähnliches enthalten, dieser Kaffee also kann weiter getrunken werden. Er ist gut und billiger als der billigste Billigkaffee, aber die Bonsaibarristas mit ihren Hightechkaffeeboliden,  die fast soviel gekostet haben wie ihre SUVs, wollen ihn nicht.
Diese Welt ist krank.
 Der Plastikwürfel eignet sich übrigens auch hervorragend als Tabakbehälter – völlig ohne Schockbilder und mit Frischegarantie.
Jetzt filtert man ja wieder. Das ist wie mit meinen karierten Hemden, die alle Jahre wieder bei den Hipstern in Mode kommen. Der alte Pozellanfilter meiner Großtante mit dem abgebrochenen Henkel ist jetzt wohl das hipste Teil, das ich besitze. Original Melitta. 

Vorhin saß ich auf der Bank vor dem Haus, so richtig, und dachte Mist, nix geschrieben heute, der gute Vorsatz schon wieder den Bach runter, und schrieb in Gedanken den Text für morgen, etwa so:

7-8-18

 War ja klar, dass ich das nicht durchhalte. Ist mir völlig rätselhaft, wie es anderen Menschen gelingt, sich an ihre eigene Pläne zu halten. Aber andere Menschen sind eh seltsam. Jogger zum Beispiel, Sportler überhaupt. Sich freiwillig quälen. Ich weiß ja, dass es da um Endorphine geht. Sportler sind Junkies. Da ich bei den meisten Drogen ausser Kaffee (hier Exkurs Aldikaffee einfügen) mit homöopathischen Dosen arbeite, wieso, verdammt springt jetzt die Schriftart um, was soll das, oh Mann, gib mir meine Olympia Monica wieder, würde ich wahrscheinlich etwa 10 Meter joggen, um dann dem Endorphin nachzuspüren und anschließend von dem genialen Flash zu schwärmen.

Ich hatte auch noch einen Gedanken zur Gartenarbeit, aber der ist schon vergessen.
Moment mal, heißt das jetzt, dass ich morgen freihabe, da das Kapitel bereits geschrieben ist? (Das Kapitel? Ist das ein Roman?) Ich könnte ja einfach mogeln und ein paar Tage im voraus schreiben, dann hätte ich Ruhe.
Hmm.
Ich denke, ich reaktiviere den Stolleblog. Wird vielleicht kein Roman, aber für nen Blog reichts auf jeden Fall.
Durch irgendeinen Zufall wird Nora Gomringer auf den Blog aufmerksam, ein Hype im literarischen Zirkel entsteht – wer ist dieser rätselhafte Stolle? – ich werde zum Ingeborg Bachmann-Preis eingeladen und gewinne  , gehe aber nicht hin, der Text wird als Buch veröffentlicht und ich werde reich und berühmt und wahnsinnig.
Ich kann nicht mehr vor meinem Haus auf der Bank sitzen, andersum, weil laufend Leute vorbeikommen und was von mir wollen.
Ich hänge einen Zettel an die Tür, auf dem steht

                               selber machen!

Drinnen geht es mir gut. Ich stelle mir einfach vor, es ist Winter.
Und freue mich auf den Frühling.

(Musik: Mazzy Star, Joan Armatrading, The Breeders, Laura Nyro, Agnes Obel.)

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