Synapsenoverkill

8-8-18

Ich warte immer noch auf den Regen.

Gleich kommt Ralf zur Mittwochssession. Seit einiger Zeit machen wir ziemlich regelmäßig Musik, mit erstaunlich guten Ergebnissen. Eigentlich dachte ich, der Musiker in mir wäre in Rente, ich Dummie – es gibt keine Rente für Musiker. Ich spiele auf meiner Stratkopie, die gute 35 Jahre auf dem Dachboden meiner Eltern vor sich hinmoderte, und die genauso alten Saiten, keine einzige davon in gerissen, klingen eingerostet, ideal für dem Blues.
Diese langen Zeiträume machen mir ziemlich zu schaffen. Es ist kein negatives Gefühl, eher Respekt und Sentimentalität. Ich fühle mich noch wie Anfang 20, doch die Zeit ist vergangen, viel, viel Zeit. Im Leben haben sich Handlungsbögen gebildet, und sie sind interessanter, je länger sie sind. Alte Dinge sind interessanter als neue Dinge. Sie haben eine Geschichte, die sie Dir gerne erzählen, wenn Du zuhören willst. Neue Dinge hüpfen großmäulig in der Welt umher, style over substance, und sie twittern ununterbrochen, ohne etwas zu sagen zu haben. Irgendwann werden sie leiser, und die Zeit beginnt, an ihnen zu nagen. Dann werden sie entweder aussortiert und vergessen, oder sie reifen.
Es scheint so, als ob es heute mehr substanzlose Dinge gäbe als früher, aber ich denke, dieser Eindruck täuscht. Ich bin einfach älter geworden, achte mehr auf Substanz. Früher gab es auch viel Schrott.
Zum Beispiel hat sich einer in den 80ern dumm und dämlich verdient, indem er Abstandhalter fürs Fahrrad erfand, rotorange ausklappbare Plastikteile, die man an den Gepäckträger klemmte und natürlich völlig sinnfrei waren. Legendärer Trash, wie praktisch alles in den 80ern. (Nur Leute, die später geboren wurden, finden die 80er cool. So, wie ich denke, die 60er wären das Nonplusultra gewesen. Menschen, die es erlebt haben, erzählen ganz furchtbare Dinge von den 60ern.)

Jetzt wäre genau der richtige Moment für den ersten Regentropfen.

Ich warte…

Es hat nicht geregnet. Ich sag’s doch: Es wird nie mehr regnen.

Wir haben in der Affenhitze eine wirklich krasse Session gemacht, bis einer von und praktisch umgekippt ist, und ich dachte schon, der Bann sei gebrochen und wir kriegen heute nichts gescheites mehr gebacken, da haben wir doch noch Synapsenoverkill rausgehauen. Auf den Text bin ich stolz, ich habe knapp zwei Minuten gebraucht, Punk halt:

Zeig, was Du hast 
Zeig, was Du hast  
Komm und gib Gas
Zeig, was Du hast 

Synapsenoverkill, Synapsenoverkill
Synapsenoverkill, Synapsenoverkill

Lass alles raus
Lass alles raus 
Hau mal richtig drauf
Lass alles raus

Synapsenoverkill, Synapsenoverkill

Synapsenoverkill, Synapsenoverkill

Lebe schnell und hart
Lebe schnell und hart
Sei nicht so verzagt
Lebe schnell und hart

Synapsenoverkill, Synapsenoverkill (ad lib)


Wenn man einen Punktext tippt, kann es vorkommen, dass man sein Dosenbier  seinen OSaft über die Tastatur kippt, und das Abwischen sieht dann so aus:


Das Abwischen den Tastatur 
 

#
4


/8521541
+#
+#/
öSynapsenoverkill

Sieht aus wie mein zweitliebstes Gedicht, Fisches Nachtgesang von Christian Morgenstern.

Das wird bestimmt ein super Tag heute. 

PS. Ralf + ich haben beschlossen, dass, falls wir eine Platte machen, Synapsenoverkill direkt vor dem Herman van Veen – Cover kommt.
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