wie ein Schmetterling

15-8-18

Super Stück mit Ralf gemacht, das wird die Hintergrundmusik für Sanne und Rick in der Teestube. Das war eine meiner Ideen aus der Pionierzeit der Digitalisierung, Bücher mit Musik und Geräuschen (und Links als Wurmlöcher zu alternativen Handlungssträngen), als ich das damals jemandem erzählt habe, meinte er. „Das sind Computerspiele.“

Ich bin also Barkeeper geworden, um ein paar Jahrzehnte lang Getränke zuzubereiten, und wartete, bis die Welt mich verstand.

Mein Nachbar mäht den Rasen, den er jeden Tag mit Unmengen von Wasser am Leben hält. Doppelte Arbeit, Ressourcenverschwendung, Lärmbelästigung, macht also total Sinn heutzutage. Ich setze den Kopfhörer auf und kontere mit der Carter Family.

Aha, flash fiction heißt das, was ich hier mache. Hab ich gerade in der Kulturzeit gelernt. Patsch, Etikett drauf, und wir haben’s begriffen.

Der Mann sah nicht schlecht aus, aber der Schnauzbart ging gar nicht.

Wo bin ich?“ stieß er hervor, sein Blick schweifte nervös umher.

Das ist unsere Teestube.“ Sanne wies vage auf die batiktuchverhangenen Wände, die Kerzen, das Räucherwerk, die Messingaccessoirs, die Tüte Chips. Im Hintergrund plätscherte fernöstlich angehauchte Musik.

Ich bin Sanne, hi, und wer bist Du?“

Und ich bin Betamyzel,“ sagte das Schiff.

Mein Schiff ist auch sehr geschwätzig,“ meinte der Mann.

Ja, das haben sie wohl so an sich. Setz Dich doch…äh…“

Rick Burton, Abenteurer im Weltall, angenehm.“ Er war schnell von dem bestickten Kissen aufgesprungen, auf das er sich gesetzt hatte, verbeugte sich leicht und zog mit dem Zeigefinger den Schnauzer nach.

Der muss echt weg, dachte Sanne und stellte sich vor, dass er wie ein Schmetterling aus dem Gesicht des Mannes davonflatterte.

Habt ihr vielleicht auch gescheite Musik da?“ fragte er jetzt, „was rockiges vielleicht?“

Ich hab auch noch anderes zu tun!“ Das Schiff klang leicht gereizt.

Mach’s trotzdem“ sagte Sanne, das Schiff gehorchte und Rick bekam große, große Augen.

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Jasna, verdammt

15-8-18

Jasna, verdammt“ fluche ich, „das ist Kokossyrup, der Zuckersyrup steht daneben.“ Der Laden brummt, wir rennen seit Stunden. Drei Bedienungen, zwei Barkeeper, ich lasse die CDs durchlaufen, keine Zeit, vernünftig Musik aufzulegen, und Jasna ist mal wieder blind. Die platinblonde Exiljugoslawin verträgt keine Kontaktlinsen und ist zu eitel, ihre Brille zu tragen. Schließlich sind wir hier im angesagtesten Laden der Stadt, das Konzept Bahnhofshalle für Möchtegernyuppies hat voll eingeschlagen, die 80er sind gerade vorbei und Grunge noch nicht erfunden. Das Team besteht ausschließlich aus Veteranen aus dem K5, und es ist interessant, wie schnell wir von Indieslackern zu durchgestylten Nightlifeikonen mutiert sind. Und ich spiele statt Hüsker Dü Paolo Conte. Egal.

Peter, unser Chef, sitzt an der Theke und malt einen Tischplan, Richie und Hannes sind beim siebten Pils, Diana, meine bessere Hälte, kommt hereingerannt und brüllt „spül mal Kaffeetassen“, Robby hat sich gerade beim Limettenschneiden verstümmelt (er wird Chirurg werden), nur Veronique ist die Ruhe selbst, auf franzuösisch, denn sie kann noch kein Deutsch.

Bedienungen sind ein besonderer Menschenschlag, ähnlich Krankenschwestern. Hartgesottene, unendlich belastbare Wesen mit meist derbem Humor. Ich habe sehr viele davon kennengelernt, und den meisten davon würde ich mein Leben anvertrauen. Zu Beginn der 00er-Jahre schien dieser Schlag von Frauen auszusterben, sie wurden egoistischer, empfindlicher und weniger emanzipiert, aber das war nur eine Phase, die glücklicherweise vorüberging.

Jasna zum Beispiel war bereits das zweite Mal mit einem Gast durchgebrannt, (kann sein, dass die Erinnerung mir einen Streich spielt und ich sie mit ihrer Freundin in einen Topf werfe, deren Namen ich vergessen habe, es ist lange her) zunächst ein US-Soldat, dann ein weiterer Exiljugoslawe. Jetzt ist sie wieder da, ich vermute, es war der Krieg, sie spricht nicht darüber. Wir brüllen uns an wie früher, alles in Ordnung also.

Die Lüftung ist ausgefallen, gut so, dann trinken sie mehr. Im alten Laden war das Kondenswasser die Wände heruntergelaufen, die Leute noch dichter gedrängt als hier, täglich Schlägereien Punks gegen Amis, Amis gegen Amis, Punks gegen Punks, dagegen war das hier zivilisiertes betreutes Trinken. Es gibt kein Kühlhaus, nur eine kleine Box für sechs Fässer, was bedeutet, dass wir recht schnell warmes Bier verkaufen, das nur als Schaum aus dem Zapfhahn kommt.Wir haben noch einen gemütlichen Nebenraum, aber der interessiert niemanden, gesehen zu werden ist wichtiger als kaltes Bier.

Ich bin durch mit den Kaffeetassen und schaue zu den Gästen. Der erste, den mein Blick träfe, würde das nächste Getränk erhalten. Zwei Latte Macchiato. Ich Glückspilz.

Stolle, verdammt, mach mal gescheite Musik!“ ruft Jasna herüber.

Jasna, ich renne.

Mach’s trotzdem.“

Sistah Speak

13-8-18

Neue Tastatur gekauft. Läuft.

Und es hat geregnet – etwa drei Gießkannen voll, was ziemlich wenig ist, wenn man mein riesiges Garagendach bedenkt, dass das Regenwasser sammelt. Ein ganz gemeines Antäuschen also.

Hab heute morgen einen superguten Sistah Speak – Podcast gehört. Die Sistahs sind 3-4 mittelalte WoC, die mittelmäßige TV-Serien besprechen. Ihre Game-of-Thrones-Podcasts können schon mal fünf Stunden lang werden. Sie sind ein grundanständiger Haufen, was sie nicht davon abhält, reichlich zu fluchen, („this motherf***er done got got, hmm, hmm hmm“) und wenn sie etwa wirklich lustig finden, ist alles zu spät. Am liebsten mag ich sie, wenn sie anfangen zu singen. So krieg ich auf ziemlich abgefahrene Weise mit, was grad an Black Music so angesagt ist. (Gesternübermorgen ist Aretha gestorben, RIP.)

Da ich sehr zurückgezogen lebe, begleiten mich einige Podcasts durch den Tag und erzeugen die Illusion von Gesellschaft. Sie kommen auch supergut bei der Gartenarbeit, obwohl man sie normalerweise beim Workout hört, während das Smartphone den Puls überwacht – ich mache mal wieder alles falsch.

Angefangen hat alles mit APOIAF, vor etwa 10 Jahren. ASongOfIceAndFire war damals noch Underground, niemand konnte ahnen, dass daraus die erfolgreichste TV-Serie aller Zeiten wird, und es war schön, nicht alleine zu sein mit meinen widersprüchlichen Gefühlen, als ein weiteres meiner Idole Weltruhm erlangte. Mir war das mit Philip K. Dick bereits so ergangen: Ich musste als Teenie noch seinen Bücher auf Flohmärkten nachjagen, heute ist er der vielleicht bekannteste SF-Autor. Einerseits freue ich mich, dass sie erfolgreich sind, andererseits muss ich sie teilen, ich Gollum. Ich fürchte, ich bin so was wie ein Supernerd – GRRM lese ich seit 1979. Den APOIAF-Leuten ging es ähnlich, wie ich kämpfen sie mit dieser mittelmäßigen TV-Serie.

Genug gejammert, hier noch ganz kurz coole Podcasts zu TV-Serien:

und nein, ich fange jetzt nicht an, über Twin Peaks zu schreiben, der besten TV-Serie aller Zeiten, die letztes Jahr mit einem unglaublichen Statement zum Zustand der Welt für eine dritte Staffel zurückkam, nach 27 Jahren, purer David Lynch, der allen zeigte, wo…

…nein, das tue ich nicht.

Gestern kam auf ARTE eine Doku über die Essener Songtage 1968, ohne Zweifel das wichtigste Konzert auf deutschem Boden damals. Die Doku war von 1988, und so durfte ich den Blick der 80er auf die 60er erleben, durch die Augen von Rainer Langhans, Hanns-Dieter Hüsch, Manni Neumeier und Frank Zappa. Das war krass. Erst mal die Tatsache, dass alle nicht wissen konnten, was der Welt ein Jahr später bevorstand (nur Langhans meinte, es läge irgendwas in der Luft). Aber vor allem kam der Zynismus dieses zynischsten aller Jahrzehnte durch, jeder entschuldigte sich dafür, wie blöd er früher war, Zappa meinte, er sei immer schon Kapitalist gewesen und stolz darauf und so weiter. Eine wirklich gute Doku über die 80er also, wenn auch unfreiwillig.

Die meisten Podcaster, übrigens, versuchen damit das große Geld zu verdienen, ähnlich den Youtubern. Meist sind es völlig ahnungslose Millenials, die denken, sie wären cool, grundsätzlich empfehle ich weibliche Podcaster, die nicht ganz so verblödet sind. Ich mache mir wirklich Sorgen um diese ungebildete Generation, aber vielleicht ist Bildung nicht mehr notwendig, wir können ja googlen.

Sanne Microtab

Ein Pavementsong im Player, Heaven Is A Truck. So wunderschön. Es ist, als hätten wir in den 90ern alle gefühlt, dass die Welt zerbrechlich ist.

Die erste Katze kommt vorbei. Ich könnte den Blog mit Katzenfotos und -Videos zumüllen, denke ich. Am schönsten sind sie, wenn sie schlafen und von der Jagd träumen.

Ich verstehe die Katzenfotoposter, ich frage mich nur, ob sie nichts besseres zu tun haben.

Mir scheint, wir wissen noch nicht so recht, was wir mit der Vernetzung anstellen sollen. Für mich findet an der Schnittstelle vom Analogen ins Digitale eine Verfremdung statt, die mir immer sehr bewußt war. Trotzdem mache und höre auch ich die Musik fast ausschließlich digital, genauso wie ich als bibliophiler Mensch massenhaft ebooks lese. Die Versuchung ist zu groß.

Aber diese Kultur der sozialen Netzwerke mit fiktiven Freunden, Likes, und sonstigen archaischen, den Herdentrieb bedienenden Features – das kann es doch nicht sein. Wir werden sehen, wo das hinführt.

Sanne Microtab seufzte schwer. Sie war zu breit, dachte sie, um ihrer Arbeit als Navigatorin nachzukommen. Nicht, dass es etwas ausmachen würde, das Pilzschiff flog schließlich von allein. Aber manchmal sehnte sie sich insgeheim nach einem klaren Kopf. Transdimensionale Reisen verloren irgendwie ihren Reiz, wenn man nicht mehr wußte, wo die Basisrealität war, weisste. Sie strich die lila Haare aus dem Gesicht und zog müßig am Vaporisator.

Annäherungsalarm“ säuselte sanft das Betamyzel, untermalt von wabernden Analogsynthflächen, und knallte ein Hologramm vor Sannes Nase.

Wow! Cool! Was haben wir denn da?“

Ein Beiboot der FA-Klasse des AAL-Konglomerats, nur ein organisches Lebenszeichen an Bord, hominid, männlich, konservativ, gewaltber…“

Danke, Mizzy, wir werden ihn in die Teestube holen und sehen, ob wir ins Gespräch kommen.“

Traktorstrahl aktiviert, erfasse Transporterdaten, bereit zum b…“

Mach es!“ Sanne raffte ihren Kimono, griff ein paar Räucherstäbchen und begab sich leicht schwankend auf den Weg.

ich hab Timelines!

Ich stelle das Laptop zum trocknen auf den Mülleimer. Ich schreibe wie verrückt, wenn mir jetzt die Technik dazwischenkäme, wäre das schade. So viele Ideen. Brecht war es, glaube ich, der einen Roman auf schnell verrottendem Papier drucken wollte – er wäre im Internetzeitalter abgegangen wie eine Rakete.

Und nein, es hat nicht geregnet.

Die Anfänge der Psychedelischen Hegemonie sind verborgen im Dunkel der Frühgeschichte. Einige Gelehrte vertreten die Ansicht, sie sei aus den Resten der legendenumrankten Peace & Love Organisation entstanden, nachdem sich die Krautrockbarbaren abgespaltet hatten.

Andere Forscher behaupten, die PH sei viel jünger und aus den Überlebenden eines gestrandeten frühimperialen Raumschiffs hervorgegangen, die sich auf einem obskuren Wüstenplaneten mit einer Pilzzivilisation verbanden.

(J. Oechip, Generalvikar, United Believers in Klaatu)

12-8-18

Ohne Tastatur zu surfen, ist eine interssante Erfahrung. Ich bin ja nicht blöd und recht schnell draufgekommen, dass ich einfach Text copyandpasten muss, um zu googlen. Es scheint mir aber doch etwas umständlich.

Meine ersten Gedanken heute morgen drehten sich um Latenzzeit. Ich habe den Begriff beim Musizieren mit digitalen Geräten kennengelernt, als die Rechenzeit den Klang verzögerte. Anyway, hier ist sie wieder, die Latenzzeit, literally. Sie wird immer größer, ich muss mehr editieren.

Das Spiel mit der Zeit ist ja grad der heisseste Scheiß in der Geeksphäre. Die leider sehr mittelmäßige TV-Serie Westworld hat die Zuschauer weltweit vor allem durch die verschiedenen Zeitebenen beeindruckt, in denen die Handlung spielt. Der Hivemind der Generation Reddit fährt auf Rätsel ab, und in der ersten Staffel hatte das Netz bereits nach zwei von zehn Folgen bemerkt, dass wir verschiedene „Timelines“ (sehr unzutreffender Begriff zwar, aber er hat sich durchgesetzt) sehen, während ich alter SF-Hase keinen Plan hatte. Inzwischen muss eine coole Serie Timelines haben, sonst ist sie nicht hip. (In der zweiten Staffel haben die Serienmacher versucht, dass Rätsel so kompliziert zu machen, dass sie vergessen haben, eine Geschichte zu erzählen.)

Falls sich also zufällig ein hipper Geek auf diese Seite verirren sollte – ich hab Timelines!

Lynyrd Skynyrd hören

11-8-18

„Verdammter O-Saft!“ Rick Burton schlug mit der Faust auf die Steuerkonsole der Prinzessin Leia, die eigentlich
£    
hiess, aber wer konnte das schon aussprechen. Alle Ausserirdischen schienen unausprechbare Namen zu haben, es war zum verrückt werden.

„Wer schüttet auch seinen O-Saft über die Tastatur?“
„Hör auf, meine Gedanken zu lesen!“
Doch das intelligente Raumschiff, dass er in der uralten Station der AAL gefunden hatte, ließ sich nicht den Mund verbieten, wie er sehr gut wußte.
„Kannst Du wirklich nicht auf die Dateien in meinem Laptop zugreifen?“

„Kannst Du die heiligen Stelen von Antiklys lesen?“ fragte Leia zurück. (Für Ratefüchse und Altphilologen, hier die Inschriften der Stelen von Antiklys:

$§IOUZOIRU KLJEWRHLKUI§ IU EIOURWOIEUHRLIU§ LKEJNLWEKJRHLKJEWRLSKDJFI§$I§ §$==)=$=)§

und auf der Rückseite: eorjgljd? hdsdflee595, ufz, drewkfi4et )

Rick seufzte. Das Laptop war hinüber. Nie wieder Lynyrd Skynyrd hören,nie wieder Duke Nukem spielen, nie wieder…

„Annäherungsalarm“ zirpte Leia und projezierte ein Hologramm der Aussenansicht direkt vor Ricks Nase.

„Heiliger Gurrm, es ist eine Flotte der Psychedelischen Hegemonie! Weg hier“ schrie er. Doch sie hatten den Traktorstrahl bereits aktiviert.

Seien Sie auch nächstes Mal wieder dabei, wenn es heißt: „In den Klauen der PH“.

 

„Nicht mehr anschalten!“ meint Cynthia und erzählt von einem Wasserhandy, dass seine Zeit zur Trocknung brauchte.

Ich: Mach mal ein Bild von mir, wie ich schreibe, aber ohne dass man mein Gesicht sieht.

Sie: Wie jetzt? Das geht nicht. Guck mal nach da drüben.

Ich: Wenn ich nach da drüben gucke, sehe ich nicht, was ich schreibe.

Sie: Dann mach halt diese komische Denkerpose, die Du immer machst.

Ich: Ich posiere nicht!

(klick)

 

Abenteuer im Weltall

10-8-18

Von wegen Regen. Das waren ein paar Tropfen, mehr nicht. Man konnte zugucken, wie sie auf dem Asphalt verdunsteten, sekundenschnell. Halb Deutschland steht unter Wasser, und hier? Nix.
Cynthia glaubt auch, dass es nie mehr regnen wird. Sie hat ein Wettervorhersagesystem, das ich nicht völlig durchschaue. Es hat damit zu tun, dass das Wetter der Raunächte dem Wetter der Monate des folgenden Jahres entspricht, jedenfalls gibt es keinen Regen mehr.
Okay, mein Thema ist also gerade das Wetter, soso. Ich dachte ja, ich erzähle endlich mal, was ich in  30 Jahren als Barkeeper und DJ alles erlebt habe. Oder ich schreibe die Geschichte von Rick Burton nieder, der im Amazonasgebiet eine uralte Station einer rätselhaften außerirdischen Kultur findet, inklusive Raumschiff, und fortan Abenteuer im Weltall erlebt, mit knapp bekleideten Prinzessinnen, niederträchtigen Imperatoren und jeder Menge Monster, die ich mir mit 13 mal ausgedacht habe, nach der welterschütternden Erfahrung, Star Wars gesehen zu haben. 
(Hier folgt im Monalisabuch ein Brief an die Millenials, den ich hier gnadenlos selbstzensiere, denn mich hat die Weisheit der Alten auch nicht interessiert mit 20, und offenbar muß jede Generation ihren eigenen Mist bauen. Es kommen eh noch viele rants, keine Sorge.)
Davor habe ich Marvelhefte gelesen, (von denen die Erwachsenen glaubten, dass sie uns verblödeten und gewalttätig machten), Die Rächer, die jetzt in ihren hinreichend unterhaltsamen Filmen die erfolgreichsten Blockbuster überhaupt sind, wenn mir das einer mit 12 erzählt hätte, als ich dachte, Bud Spencer-Filme seien das Nonplusultra… wir sind jeden Sonntag in die Stadt geradelt um für 3 Mark im dortigen Kino, jetzige Microbrewkneipe, die Tohu-Godzillas, die Ray Harryhausen-Filme und eben Vier Fäuste für ein Halleluja zu sehen.
Für den ersten Blockbuster, Der Weisse Hai, war ich noch zu jung, aber Star Wars habe ich mitgekriegt. Und dann gings ab, Schlag auf Schlag, CE3K, Indiana Jones, Alien (der war ab 16, und ich war 15, und ich werde nie vergessen, wie ich aus dem Kinosessel gesprungen bin, als die Szene mit John Hurt kam, man muß bedenken, wir hatten nur sehr beschränkten Zugang zum Internet damals und waren somit nie gespoilt.)
Jeder Film war eine Offenbarung, und danach sind wir mit den Mofas ohne Helm im Vollsuff an den Baggersee gefahren, es gab Tote, und überhaupt ich höre ja schon auf.

Musik: Larkin Poe, 
noch eins, die Mädels sind echt der Hammer.

heu machen

 

Laptop auf Mülleimer, Handyphotographie, Cynthia W., 2018

Gestern war ein guter Tag. Okay, das Laptop ist im Eimer, aber dafür wurde die PH geboren, mal sehen, ob das nächste Woche noch so lustig ist wie gestern.

9-8-18

Nein, es hat nicht geregnet. Ich habe jetzt mit dem gießen aufgehört. Sollen die blöden Gewächse selbst zusehen, wo sie bleiben. Durstige Grünzeugmonster, rutscht mir den Buckel runter. Das Ganze fällt mir überhaupt nicht schwer, schließlich esse ich wenig Gemüse, und das Obst wächst praktisch von alleine. Meine Weintrauben sind schon seit 2 Wochen reif, so früh wie nie, und sie schmecken nicht, wie immer. Seltsam, denn als Kind fand ich sie sehr lecker, und konnte die Erwachsenen überhaupt nicht verstehen, die meinten, diese Trauben eigneten sich nur zum Wein machen. Und diesen Wein konnte man als Fünfjahriger beim besten willen nicht trinken. Verkehrte Welt. Ich durfte also barfuß im Zuber auf den leckeren Trauben rumtrampeln, um sie ungenießbar zu machen. Zuber, Presse und Fässer stehen immer noch in meinem Keller, aber Wein zu machen wäre mir viel zu stressig. Ich wollte immer den Zuber zu einem Gartentisch umfunktionieren, auch zu stressig.

Heute morgen habe ich einen neuen Komposthaufen begonnen, genau an der Stelle, wo die Katzen immer auf die Vögel lauern, die ich seit letztem Jahr füttere. (Ich wäre nie von selbst auf die Idee gekommen, aber Cynthia hat mich gezwungen, ihr Vogelhäuschen zu übernehmen, wofür ich ihr ewig dankbar sein werde, ich plane bereits einen Blog über Vogelbeobachtung.) Als ich mich eben auf die Bank vor dem Haus setzte, kam auch schon eine der etwa sieben Katzen aus der Nachbarschaft, um auf die Vögel zu lauern – und zog konsterniert wieder ab. Manchmal macht es  Spaß, gemein zu sein. 

Anyway, da ich seit Jahren experimentelle Gartenarbeit betreibe, d.h. mir kommt kein Beet in den Garten, das Zeug darf wachsen, wo es will, macht es bestimmt keinen Unterschied, wenn jetzt der totale Darwinismus ausbricht.
Ich muß mich aber darauf einstellen, gekreuzigt zu werden, wenn ich die Wiese nicht mähe. Mein Rasen ist eine Wiese. Vor vielen Jahren hat mich Brigitte, eine Nachbarin, die mich immer an die Frauenzeitschrift denken läßt, die ich lange Zeit mitgelesen habe, gefragt, ob ich nicht mal wieder Heu machen wolle. Was für eine glorreiche Idee, dachte ich, das ist eine Wiese, kein Rasen. Neuerdings zieht der Witz nicht mehr, weil jeder eine Wiese haben will, wegen der Insekten und so. Ich sehe schon meine Nachbarn ihre Zen-Steingärten wieder rausreissen, die sich in den letzten Jahren epidemisch ausgebreitet haben. 
Eine der Lebensweisheiten, die ich zu teilen bereit bin: Mit Nichtstun bist Du meist ganz weit vorne. Die Styroporverkleidung der Hausfassaden wäre noch so ein Beispiel dafür.

Oh, es regnet!

Synapsenoverkill

8-8-18

Ich warte immer noch auf den Regen.

Gleich kommt Ralf zur Mittwochssession. Seit einiger Zeit machen wir ziemlich regelmäßig Musik, mit erstaunlich guten Ergebnissen. Eigentlich dachte ich, der Musiker in mir wäre in Rente, ich Dummie – es gibt keine Rente für Musiker. Ich spiele auf meiner Stratkopie, die gute 35 Jahre auf dem Dachboden meiner Eltern vor sich hinmoderte, und die genauso alten Saiten, keine einzige davon in gerissen, klingen eingerostet, ideal für dem Blues.
Diese langen Zeiträume machen mir ziemlich zu schaffen. Es ist kein negatives Gefühl, eher Respekt und Sentimentalität. Ich fühle mich noch wie Anfang 20, doch die Zeit ist vergangen, viel, viel Zeit. Im Leben haben sich Handlungsbögen gebildet, und sie sind interessanter, je länger sie sind. Alte Dinge sind interessanter als neue Dinge. Sie haben eine Geschichte, die sie Dir gerne erzählen, wenn Du zuhören willst. Neue Dinge hüpfen großmäulig in der Welt umher, style over substance, und sie twittern ununterbrochen, ohne etwas zu sagen zu haben. Irgendwann werden sie leiser, und die Zeit beginnt, an ihnen zu nagen. Dann werden sie entweder aussortiert und vergessen, oder sie reifen.
Es scheint so, als ob es heute mehr substanzlose Dinge gäbe als früher, aber ich denke, dieser Eindruck täuscht. Ich bin einfach älter geworden, achte mehr auf Substanz. Früher gab es auch viel Schrott.
Zum Beispiel hat sich einer in den 80ern dumm und dämlich verdient, indem er Abstandhalter fürs Fahrrad erfand, rotorange ausklappbare Plastikteile, die man an den Gepäckträger klemmte und natürlich völlig sinnfrei waren. Legendärer Trash, wie praktisch alles in den 80ern. (Nur Leute, die später geboren wurden, finden die 80er cool. So, wie ich denke, die 60er wären das Nonplusultra gewesen. Menschen, die es erlebt haben, erzählen ganz furchtbare Dinge von den 60ern.)

Jetzt wäre genau der richtige Moment für den ersten Regentropfen.

Ich warte…

Es hat nicht geregnet. Ich sag’s doch: Es wird nie mehr regnen.

Wir haben in der Affenhitze eine wirklich krasse Session gemacht, bis einer von und praktisch umgekippt ist, und ich dachte schon, der Bann sei gebrochen und wir kriegen heute nichts gescheites mehr gebacken, da haben wir doch noch Synapsenoverkill rausgehauen. Auf den Text bin ich stolz, ich habe knapp zwei Minuten gebraucht, Punk halt:

Zeig, was Du hast 
Zeig, was Du hast  
Komm und gib Gas
Zeig, was Du hast 

Synapsenoverkill, Synapsenoverkill
Synapsenoverkill, Synapsenoverkill

Lass alles raus
Lass alles raus 
Hau mal richtig drauf
Lass alles raus

Synapsenoverkill, Synapsenoverkill

Synapsenoverkill, Synapsenoverkill

Lebe schnell und hart
Lebe schnell und hart
Sei nicht so verzagt
Lebe schnell und hart

Synapsenoverkill, Synapsenoverkill (ad lib)


Wenn man einen Punktext tippt, kann es vorkommen, dass man sein Dosenbier  seinen OSaft über die Tastatur kippt, und das Abwischen sieht dann so aus:


Das Abwischen den Tastatur 
 

#
4


/8521541
+#
+#/
öSynapsenoverkill

Sieht aus wie mein zweitliebstes Gedicht, Fisches Nachtgesang von Christian Morgenstern.

Das wird bestimmt ein super Tag heute. 

PS. Ralf + ich haben beschlossen, dass, falls wir eine Platte machen, Synapsenoverkill direkt vor dem Herman van Veen – Cover kommt.

Waiting For The Rain


Jetzt müßte es bald soweit sein. Ich sitze richtigrum auf der Bank vor dem Haus, höre einen Podcast über Robert Johnson und warte auf den Regen.

Wenn er kommt, werde ich nur mit Turnhose bekleidet im Regen herumwuseln und den darbenden Bäumen und Sträuchern einen Wasseroverkill geben und neben den drei blauen Regentonnen auch die Mülltonne und den alten Farbeimer füllen, um soviel Wasser wie mglich aufzufangen – vorausgesetzt, es regnet so viel. Bis es soweit ist, versuche ich mich zu erinnern, wie  Waiting for the Rain ging. Ich habe keine Ahnung. (Was, zur Hölle, ist nur mit dem Schriftbild los? Ich kann so nicht arbeiten. Ich gehe einkaufen.)

Es handelt sich um einen Song, den ich 2000 mit UBIK paint aufgenommen habe. Sicher, der Song war von Stephan, nicht von mir, aber ich müßte mich doch erinnern können! Wir haben unsere letzte Platte danach benannt. Das gibt’s doch nicht. Es war eine schwierige Platte, ich bin kurze Zeit später ausgestiegen, aber es gibt Songs von Stephan auf der Platte wie Some Moments und Gooseberry Blues, die ich noch auswendig kann. Heißt das, Waiting For The Rain war ein schlechtes Lied? Verdränge ich was? (Warum ist die Schrift so klein?)

Ich bin wahnsinnig stolz auf UBIK paint, besitze den alten 8-Spur-Taperecorder und die Mastertapes, die ich 2006 remastered und digitalisiert habe, damit sie schneller verlorengehen um sie zu bewahren und träume von einer Reunion irgendwann mal.
Aber dieser verdammte Song ist völlig aus meinem Gehirn verschwunden.
Okay, ich muss mir das jetzt anhören. 

 Aha, klar, natürlich. Das war das dEUS-inspirierte Stück. Es liegt wohl daran, dass ich das Gitarrensolo und den Orgeloverdub gespielt habe. Das Stück ist nicht so schlecht, aber auch nicht überragend. Der Text ist super, aber Stephan hat immer die besten Texte geschrieben von uns.
UBIK paint liegt jetzt lange zurück, genau wie Lay De Fear, meine andere legendäre Band. Die vergangene Zeit macht beide Projekte noch legendärer, als sie eh schon sind. Während ich kein Problem damit habe, Lay De Fear im obskuren Underground dem Vergessen anheimfallen zu lassen, einfach, weil dieses Projekt so heilig war, möchte ich UBIK paint ein Denkmal setzen. Vielleicht sollte ich Stephan fragen, ob er dabei hilft. Ich würde gerne die Videos wieder sehen und die Photos, die ganze ubisonic-Homepage war super. Ich meine, ich bin ja immer ein digitaler Depp gewesen und geblieben, aber ich denke, wir waren Pioniere damals, hey Mann, oh no. Wir haben mp2s gepostet, weil es noch keine mp3s gab. Wir haben unsere CDs selber gebrannt, mit einfacher Geschwindigkeit, und jedesmal zugeguckt (!!!), sind zusammmen die Rohlinge kaufen gegangen, wir haben zu einem blasphemischen Song, für den man heute erschossen werden würde, stundenlang versucht, ein Soundfile von der Vatikanhomepage runterzuladen, wenn das nicht legendär ist, dann weiss ich nicht. Wir haben eine Installation verrotten lassen, um sie später mal als Plattencover zu verwenden, wir sind ins ZKM eingebrochen, als es gebaut wurde, um die Photos für die erste Platte zu machen, Forbidden Architecture, hihi.
Prophetische Songs, Hip Hop, Evergreens
UBIK paint:



PS: Das mit der Gießkanne war kein Zufall. Sowas nett man „ubisch“.
PPS: Ich erinnere mich wieder, worüber wir lachen, als das Bild gemacht wurde. Man muß etwas genauer hingucken, und es ist nur lustig, wenn man jung ist.